Die AfD in Wuppertal – Eine Bestandsaufnahme

Hervorgehoben

Die „Alternative für Deutschland“ hat sich seit ihrer Gründung zur größten extrem rechten politischen Kraft in der Bundesrepublik seit dem Ende des Nationalsozialismus entwickelt.
Mittlerweile vertritt die AfD ein offenes rassistisches, nationalistisches und antifeministisches Programm, wobei Geschichtsrevisionismus und Antisemitismus ebenfalls feste Bestandteile ihrer Agenda sind. Je völkischer die AfD auftritt, desto mehr scheint ihr gesellschaftlicher Rückhalt zu wachsen.
Gleichzeitig erfolgt eine zunehmende Normalisierung der Partei und ihrer extrem-rechten Positionen in den Medien und der Politik. Auch ohne Regierungsbeteiligung bestimmt die AfD in der Flüchtlingspolitik längst den politischen Diskurs.
Der Erfolg der AfD ist im Kontext einer seit einigen Jahren anhaltenden gesellschaftlichen Rechtsverschiebung zu betrachten, die dazu geführt hat, dass rechtsautoritäre Einstellungen bis weit in die sogenannte bürgerliche Mitte verbreitet sind. Auch wenn die AfD ein Bild einer Partei vermittelt, die beispielhaft für den modernisierten Rechtsextremismus steht, der zwar zeitgemäß erscheint, ist die AfD jedoch keineswegs weniger gefährlich als ihre historischen Vorgänger.
Im Jahr 2024 konnte die AfD mehrere Wahlerfolge auf kommunaler, Landes- und europäischer Ebene vorweisen. Daran haben auch die zahlreichen Skandale und juristischen Auseinandersetzungen im Umfeld der Partei wenig geändert. Während die AfD bei der Europawahl in Deutschland zweitstärkste Kraft geworden ist, hat es in Wuppertal mit 13,9 Prozent nur für Platz vier gereicht.
Das ist trotzdem ein Plus von 4,1 Prozent im Fünfjahresvergleich. Gewählt haben die AfD 19.170 Wuppertaler:innen.

VON DER SPD ÜBER DIE AFD IN DEN BUNDESTAG?

So ist zumindest die Vorstellung von Nadine Heuser. Heuser engagierte sich aktiv u.a. von März 2018 bis 2019 im Unterbezirksvorstand der Remscheider SPD, bevor sie sich, wie ihre Mutter Ulrike Heuser die inzwischen im Remscheider AfD-Vorstand ist, der AfD anschloss. Die gelernte Diplom-Ökonomin, die an der Ruhr-Universität Bochum studierte, arbeitet aktuell in der Jugendberufsberatung der Agentur für Arbeit in Remscheid. Bei der Bundestagswahl im Februar tritt sie als Direktkandidatin für die AfD im Kreis Düren an. Eigens dafür knüpfte sie überregionale Kontakte zu der Landesparteispitze. Im Dezember trat Heuser in Iserlohn auf einer AfD-Veranstaltung zum Thema „Die EU nach der Wahl Donald Trumps“ als Referentin auf.
Seit Anfang April 2023 ist sie Schriftführerin des AfD-Bezirksverbandes Düsseldorf. Dass Heuser als Direktkandidatin in den Bundestag zieht, ist jedoch sehr unwahrscheinlich, zumal ihr ein Platz auf der AfD-Landesliste zur Bundestagswahl verwehrt blieb.

DER WUPPERTALER KREISVERBAND

Der Vorstand des Wuppertaler Kreisverbandes der AfD besteht aus der Sprecherin Nadine Heuser und den beiden stellvertretenden Sprechern Marlon Grosser und Otto Feist. Die Posten der Beisitzer bekleiden Markus Plattner, Viktor Arsenov und Tim Schramm. Tim Schramm unterstützte 2024 die AfD beim Landtagswahlkampf in Sachsen. Anfang 2022 reiste er mit mehreren Abgeordneten der NRW AfD-Fraktion um Sven Tritschler und Guido Reil in die Ukraine. Mit Manuela Pluta ist eine Aktivistin der extrem rechten Mädchen- bzw. Frauengruppe „Lukreta“ im KV aktiv, die zuletzt in der Öffentlichkeit stand, weil ein (am Ende erfolgloses) Parteiausschlussverfahren gegen sie eingeleitet wurde, da sie auf Facebook eine Datei mit dem Titel „Shoot Refugees“ („erschieße Flüchtlinge“) mit „Stop Refugees“ überschrieben habe, gleichwohl der Originaltext erkennbar gewesen sei. Manuela Pluta, die zusammen mit ihrer Schwester einen Pflegedienst in Barmen betreibt, bezeichnet sich in sozialen Medien als „arisch“ und veröffentlichte Fotos, die sie bei Schießübungen in Polen zeigt.

Vorstand AfD Kreisverband Wuppertal: Marlon Grosser, Tim Schramm, Nadine Heuser, Markus Plattner, Otto Feist, Viktor Arsenov
Der aktuelle Vorstand: Marlon Grosser, Tim Schramm, Nadine Heuser, Markus Plattner, Otto Feist, Viktor Arsenov (v.l.n.r.) – Screenshot von Instagram

AFD IM STADTRAT

Bei der Kommunalwahl 2020 kam die AfD auf 6,1 Prozent der Stimmen in Wuppertal und erhielt damit fünf Sitze und den Fraktionsstatus im Stadtrat. Bereits Ende 2020 spaltete sich die AfD-Fraktion nach einem internen Streit auf. Zwei der fünf Stadtverordneten trennten sich von der Fraktion und gründeten eine eigene Ratsgruppe mit dem Namen LokalPatrioten.
Hartmut Beucker, Claudia Bötte und Martin Liedtke-Bentlage sind die aktuellen Stadtverordneten. Martin Liedtke-Bentlage war bis 2024 im Vorstand des Wuppertaler Kreisverbandes und kandidierte im Mai 2024 bei den Kommunalwahlen in Thüringen erfolglos für das Amt des Oberbürgermeisters in Arnstadt. Claudia Bötte wechselte 2021 von der extrem rechten Partei „PRO Wuppertal“ zur AfD. Bötte warb 2012 in einem Video mit ihrer kleinen Tochter für die rechtsradikale NPD.

AKTIVITÄTEN

In unregelmäßigen Abständen veranstaltet die AfD Stammtische und Veranstaltungen zu verschiedenen Themen. Diese werden zumeist ohne konkreten Veranstaltungsort im Internet angekündigt und sind nur per Anmeldung zugänglich. Im Vorfeld von Wahlen sind vermehrt Info- und Wahlkampfstände der AfD in den Innenstädten zu beobachten. An den Aktionen beteiligen sich auch Mitglieder der Jungen Alternative, die nach dem AfD-Bundesparteitag in Riesa aus Angst vor einem Verbot vor der ,Selbstauflösung’ steht, darunter auch Leon Bergen. Des Weiteren bekommt die Wuppertaler AfD zum Teil Unterstützung von Mitgliedern aus umliegenden Städten und dem Netzwerk „Russlanddeutsche für die AfD“.

„RUSSLANDDEUTSCHE FÜR DIE AFD“

Für das Netzwerk „Russlanddeutsche für die AfD“ spielt der Wuppertaler Kreisverband und Otto Feist eine wichtige Rolle. Otto Feist wurde bereits 2017 bei der Gründung der deutschlandweiten „Interessengemeinschaft der Russlanddeutschen in der AfD“ in den Arbeitskreis gewählt. Er ist langjähriges Vorstandsmitglied im „Zentralrat der Russlanddeutschen e.V.“ und dort aktuell Schatzmeister. Am 17.11.2019 fand in Wuppertal der Kongress der Russlanddeutschen in Deutschland mit ca. 90 Delegierten statt. Dort wurde Otto Feist als stellvertretender Vorstand gewählt. Am 14.03.2020 organisierte der KV zusammen mit dem Netzwerk eine Veranstaltung mit Matthias Helferich. Auch in den weiteren Jahren kam es zu zahlreichen weiteren Veranstaltungen der „Russlanddeutschen für die AfD“. So beteiligte sich z.B. 2022 das AfD-Bundestagsmitglied Eugen Schmidt an verschiedenen Infoständen in der Stadt.

VERANSTALTUNGSORTE

Für Veranstaltungen in geschlossenen Räumen greift die AfD zur zeit auf verschiedene Möglichkeiten zurück. Mit am häufigsten wird dabei auf die Geschäftsstelle in der Heckinghauser Str. 247 als Raum für Veranstaltungen und Stammtische zurückgegriffen. Neu in diesem Wahlkampf ist das Angebot der offenen „Bürgersprechstunde“ im Büro, jeden Donnerstag von 17:00 bis 19:00 Uhr. Eine weitere Räumlichkeit, die bislang offenbar kein Problem mit Zusammenkünften der AfD hat, ist das gutbürgerliche Restaurant „Donau-Stuben“ in der Concordienstraße 4 in Wuppertal-Barmen. Dort fanden mindestens drei Veranstaltungen mit AfD-Bezug statt. Am 4.6.2024 sprach dort auf Einladung des Kreisverbandes der AfD-Landtagsabgeordnete Christian Blex. Ein weiterer Stammtisch der AfD wurde dort am 1.10.2024 durchgeführt und am 2.11.2024 veranstaltete dort der „Zentralrat der Russlanddeutschen e.V.“ seine Mitgliederversammlung. Neben Gaststätten sind Vereinsheime von Kleingartensiedlungen ein weiterer beliebter Ort für die zumeist internen Versammlungen und Veranstaltungen. Am 29.10.2022 fand auf Einladung der AfD-NRW-Fraktion das jährliche Treffen der Russlanddeutschen im Vereinsheim des Kleingartenvereins Langerfeld statt. Zuletzt fand am 27.4.2024 der „Frühjahrsempfang“ der „Russlanddeutschen in der AfD“ in der Kleingartensiedlung „In den Stöcken“ statt.
In der Vergangenheit gelang es immer wieder, dass Betreiber:innen, die über die Aktivitäten informiert wurden, die Räume der AfD nicht mehr zur Verfügung stellten.

Veröffentlicht unter Antifa

Free Paula! Free all Antifas!

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Sieben der beschuldigten Antifaschist*innen im sogenannten Budapest-Komplex haben sich gestellt, nachdem sie einige Zeit untergataucht waren. Ihnen wird, ebenso wie der antifaschistischen Person Maja, die in einer Nacht-und-Nebel-Aktion nach Ungarn ausgeliefert wurde, vorgeworfen, am sogenannten Tag der Ehre in Budapest Neonazis angegriffen zu haben. Der Tag der Ehre wird jedes Jahr am 10. Februar von Neonazis gefeiert, die an diesem Tag Märsche abhalten, um einer Aktion der Waffen-SS und ungarischer Soldaten zu gedenken.

Die Entscheidung, sich selbst zu stellen, wurde nicht ohne Grund getroffen. Die Beschuldigten und ihre Familien sowie Freund*innen wurden zwei Jahre lang überwacht und ausspioniert. Zudem gab es mehrere Öffentlichkeitsfahndungen und über zwanzig Hausdurchsuchungen. Der deutsche Staat geht mit aller Härte gegen die antifaschistische Bewegung vor. Einer der angeblich beteiligten Personen drohen in Ungarn nun bis zu 24 Jahre Haft – eine Strafe, die in Deutschland in diesem Kontext nicht verhängt werden könnte. Dennoch haben die Untergetauchten trotz aller Repressionen zwei Jahre im Untergrund durchgehalten. Dies zeigt, dass es möglich ist, sich den Repressionsbehörden zu entziehen. Das selbstbestimmte Stellen ist keineswegs als Niederlage zu werten, sondern eine Erfahrung, auf der aufgebaut werden kann.

Die beschuldigte Antifaschistin Paula befindet sich derzeit in der JVA Wuppertal-Ronsdorf. Es ist nicht vorhersehbar, wie lange sie dort bleiben wird, daher haltet Ausschau nach weiteren Ankündigungen. Gefangene freuen sich immer über Briefe! Eine Anleitung sowie Hilfestellung dazu findet ihr auf basc.news unter dem Abschnitt „Solidarität: Briefe in den Knast“.

Volle Solidarität mit allen Gefangenen und Untergetauchten!

Update (2.2.2025)

Freitag, 7.Februar 2025 – 17:00 Uhr – Kundgebung vor der JVA Wuppertal-Ronsdorf

Veröffentlicht unter Antifa

Nie wieder Faschismus! Nie wieder Auschwitz! Wuppertaler Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus – Gedenkrundgang am 27.1.2025

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Kommt zum Gedenkrundgang am 27.1.2025

27.1.2025 17:00 Uhr Treffpunkt an der Treppe zur ehemaligen Reichsbahndirektion Elberfeld am Hauptbahnhof Wuppertal

Vor 80. Jahren, am 27.1.1945, wurde das Vernichtungslager Auschwitz von der Roten Armee befreit.
Wir gehen auch dieses Jahr wieder in Erinnerung an die Millionen Opfer der Nazi-Barbarei auf die Straße!

Unser Gedenkrundgang führt uns dieses Jahr zum Rita und Izchok Gerzst-Park an die Josefstraße, in Erinnerung an die jüdischen Widerstandskämpfer*innen aus Wuppertal, insbesondere an den Kommunisten Izchok Gerzst, der in den Wuppertaler Gewerkschaftsprozessen 1937 zu einer Zuchthausstrafe verurteilt wurde und später nach Auschwitz deportiert wurde. Er kam kurz vor der Befreiung von Auschwitz auf dem Todesmarsch ums Leben.

In Erinnerung an den Widerstandskämpfer Izchok Gerzst, getötet auf dem Todesmarsch von Auschwitz.

Erinnern möchten wir auch die jüdischen Widerstandskämpfer*innen Jukiel Gilberg, Rita Gerzst, Oswald Laufer, Richard Barmé, Rita Barmé, Leo und Rudolf Zuckermann erinnern.

Niemand ist vergessen!

In tiefer Verbundenheit auch mit den Opfern des 7. Oktober 2023!

#Bring them home now!

L’Chaim – Es lebe das Leben!

Nie wieder Faschismus! Nie wieder Auschwitz!

Nie wieder ist heute!

Gemeinsam gegen den Naziaufmarsch am 18.1. in Aachen!

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Für den 18.1. kündigen Neonazis eine Demo unter dem Motto „Für Recht und Ordnung: gegen Linksextremismus und politisch motivierte Gewalt“ in Aachen an. Dies ist der erste Versuch, seit etwa 10 Jahren eine offen rechtsextreme Demonstration in Aachen durchzuführen; eine Demonstration, die obendrein gezielt uns als Autonomes Zentrum, unsere Gäste und alle die unsere Räume nutzen angreift.

Kundgebung am AZ ab 12 Uhr, weitere Kundgebungen ab 14 Uhr!
Aktuelle Infos zu den Antifaschistischen Protesten gibt es hier:
https://az-aachen.de/az-allgemein/update-1801/
Der Aufmarsch soll im Aachener Ostviertel, am Bahnhof Rothe Erde, starten und von dort direkt zu uns zum AZ ziehen. Dies stellt eine Gefahr für alle, die nicht in das menschenverachtende Weltbild passen, dar.  Das Feld der Teilnehmenden bei einer vergangenen Demo in Berlin vor wenigen Wochen, die aus diesem diffusen Umfeld mit-organisiert wurde, war geprägt von militant auftretenden Neonazis und es kam im Rahmen des Aufmarschs zu brutalen Angriffen auf Linke. 
 
Wir sind weder überrascht darüber, dass die Polizei die Demo (in diesem Umfang) bestätigt hat, noch, dass es wieder Nazis gibt, die sich durch die gesellschaftlichen Entwicklungen darin ermutigt sehen, ihre menschenfeindliche Hetze auf die Straße zu tragen und wir als Antifaschistische Institution somit wieder in den Fokus als Feindbild dieser rücken. 
Das AZ und seine Mitstreiter*innen blicken auf eine lange Historie extrem-rechter Bedrohungen und Angriffe zurück und haben einen reichen Erfahrungsschatz gesammelt, was den Umgang mit Neonazis in und außerhalb Aachens angeht. So gab es in der Vergangenheit unzählige brutale Angriffe durch Neonazis auf das AZ und seine Gäste sowie auf andere linke Einrichtungen, wie beispielsweise auf die Partei-Büros der Linkspartei und der Piraten, auf linke Kneipen oder auf Einrichtungen der LGBTIQ+-Community.
 
Die Dimension der Angriffe auf das AZ reichten von Buttersäure-Anschlägen, einer Bomben-Attrappe, Zwillen-Beschuss mit Stahlkugeln auf AZ-Gäste, einem Drive-By-Shooting mit Gas-Pistolen bis hin zu Angriffen bewaffneter Neonazi-Gruppen im Eingang des AZ oder auf vermeintliche Linke im AZ Umfeld. Eine vollständige Auflistung würde hier den Rahmen sprengen.
Wir beobachten daher die Entwicklungen seit vielen Jahren genauestens und so, wie wir die vergangenen Bedrohungen und militanten Angriffe seitens neonazistischer Akteur*innen in den letzten drei Jahrzehnten abgewehrt und überdauert haben, werden wir auch diesem neuen Versuch trotzen. Wir haben und hatten uns nie die Illusion gemacht, dass es nur eine Frage der Zeit ist bis wieder Neonazis aus ihren Löchern kriechen. Jedoch sind die Fußstapfen, die neonazistische Gewalt in Aachen hinterlassen haben weitaus größer, als die die der Initiator der Demo hier gerade größenwahnsinnig versucht zu prognostizieren. Nichtsdestotrotz nehmen wir die Ankündigung einer Nazi-Demo in Aachen ernst.
 
Am 18. Januar findet im AZ die Veranstaltung „WTF – die Tuntenshow“ vom Queerreferat Aachen statt, weshalb wir dies insbesondere auch als Angriff auf die LGBTIQ+-Community werten und wir sind entschlossen, uns dem gemeinschaftlich entgegenzustellen.
 
Dass dieser Nazi-Aufmarsch in direkter Bahnhofsnähe eine unmittelbare Gefahr für alle Menschen aus der LGBTIQ+-Community, insbesondere bei der Anreise mit dem öffentlichen Nahverkehr zur Veranstaltung im AZ, darstellt, liegt auf der Hand. Wir werden gemeinsam mit den Veranstalter*innen der Tuntenshow alles daran setzen, eine sichere Anreise zu gewährleisten und den Nazis die versuchen einen Angstraum zu schaffen, für alle jene die für Emanzipation und Chancengleichheit und die freie Entfaltung aller eintreten, eine Absage erteilen die sich gewaschen hat.
 
Wenn der (vor kurzem noch in der AfD aktive) Initiator und seine Gefolgsleute glauben, dass sie uns unkommentiert vor die Tür scheißen können, dann können wir nur versprechen, dass sie sich irren. Und zwar gewaltig.
 
Beteiligt euch an den Gegenprotesten, lasst euch nicht einschüchtern und werdet aktiv!
 
Am 18. Januar gemeinsam den Nazi-Aufmarsch versenken!
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Gemeinsam zum Protest gegen den AfD-Bundesparteitag am 11.01.2025 in Riesa

Von NRW nach Riesa

Am 29. Juni 2024 haben über 7000 Widersetzer*innen aus der ganzen Republik bei den Protesten gegen den AfD-Bundesparteitag in Essen deutlich gemacht, dass für die AfD im Pott kein Platz ist. Nur leider sucht sich diese ätzende Nazi-Pest immer wieder neue Orte, an denen sie versucht, ihre Propaganda zu verbreiten und ihre Anhängerschaft hinter sich zu vereinen. Diesmal im sächsischen Riesa am 11.01.2025 – das werden wir aber nicht untätig geschehen lassen!

Busanreisen aus NRW

Aus über 11 Städten in NRW gibt es bereits öffentliche Busanreisen nach Riesa. Holt euch ein Ticket für eure Stadt oder eine in eurer Nähe und fahrt mit. Alle genauen Infos bekommt ihr auf widersetzen.com

Hintergrund

Die diesjährig vorgezogenen Bundestagswahlen stehen unter einem schlechten Stern. Die Wahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg haben deutlich gemacht, dass ein großer Teil der Deutschen kein Problem damit hat, eine faschistische Partei zu wählen. Seit 2015 ist die AfD nicht nur der parlamentarische Arm der neuen und extremen Rechten, sondern treibt in einem enormen Tempo die autoritäre Formierung der Gesellschaft voran. Eine sich zunehmend verschärfende Asyl- und Abschottungspolitik, Migrations- und Islamfeindlichkeit, Antisemitismus, Frauenhass und Queerfeindlichkeit sind ihre Triebfedern und die sogenannten Parteien der Mitte spielen dieses Spiel fröhlich mit.

Die AfD und ihre Fans

Während sich die gesellschaftlichen Krisen der kapitalistischen Gesellschaft immer weiter zuspitzen, findet die AfD für diese komplexen Fragen sehr einfache, reaktionäre Antworten: die Rückkehr in die nationale Zwangsgemeinschaft und die patriarchal-binäre Geschlechter- und Familienordnung. Um der alltäglichen Überforderung und der sozialen Kälte zu entkommen, gelte es, sich wieder traditionellen Familienverhältnissen zuzuwenden. Durch die sexistische Unterdrückung sollen Frauen wieder in die Reproduktionssphäre gedrängt werden, den produktiv hart arbeitenden Manne im Privaten doch bitte entlasten. Mit nostalgischen Blicken wird auf die deutsche Vergangenheit geschaut, weil früher alles besser war – als Männlichkeit noch unhinterfragt und Deutsche noch rassistisch sein durften!

Reaktionismus und Queerfeindlichkeit

Mit ihren reaktionären Ressentiments fördert die AfD allgemeine Queer- und Trans*feindlichkeit. Das Leben und die Bedürfnisse jenseits klassischer Geschlechterrollen werden ohnehin als illegitim denunziert. Die rechten Angriffe auf CSDs im Osten, aber auch in Köln, Duisburg, Essen und Dortmund sind nicht zuletzt Ausdruck einer sich verschärfenden Lage für Queers in der BRD. Diese „neue“ deutsche Männlichkeit begegnet den hart erkämpften Errungenschaften um das Recht auf (körperliche) Selbstbestimmung und geschlechtliche Vielfalt mit Hass und Gewalt.

Antifa heißt Feminismus, Feminismus heißt Antifa

Gerade weil Misogynie, Queerfeindlichkeit und Antifeminismus seit jeher zentrale Elemente rechter Bewegungen sind, muss sich ein offensiver antifaschistischer Feminismus hier entgegenstellen. Wir sehen nicht untätig dabei zu, wie die Rechte von FLINTA* und queeren Menschen angegriffen werden.

Traditionalismus und Nationalismus werden wir nicht zur Alternative werden lassen.

Der AfD keine Räume überlassen, nicht im Pott und nicht in Sachsen.

Kommt am 11.01.2025 mit nach Riesa: Den AfD-Bundesparteitag zum Desaster werden lassen!

Gedenkrundgang anläßlich des Novemberpogroms vom 9. bis 11. Novembers 1938 in Wuppertal

Hervorgehoben

9. November 2024 – 12:00 Uhr – Treppe zur ehemaligen Reichsbahndirektion am HBF Wuppertal

 

Gedenkrundgang

Vor 86  Jahren wütete auch in Wuppertal der Nazimob und griff das Leben der jüdischen Wuppertaler:innen an. Kurz nach Mitternacht, am Morgen des 10. Novembers 1938, wurden die ersten Schaufenster von jüdischen Geschäften in der Elberfelder Innenstadt eingeworfen. Die Täter, unter ihnen der SS-Mann und Versteigerer Bruno Koepchen, fuhren mit der Kraftdroschke vor. In der Herzogstraße warfen sie beim Schuhhaus Tack und anderen jüdischen Geschäften mit Flaschen die Schaufensterscheiben ein. Der Fahrer brachte sie nach kurzem Zwischenstopp in der Kreisleitung der NSDAP zur Synagoge in die Elberfelder Genügsamkeitstraße. „Die Herren stiegen aus und begaben sich zur Synagoge. Da sie durch das Hauptportal nicht in die Synagoge hinein konnten, gingen sie von der Seite aus, durch den dort befindlichen Eingang in die Synagoge. Nach einiger Zeit sah ich dann, dass die Synagoge brannte.“

Der Novemberpogrom in Wuppertal dauerte bis zum 11. November 1938. Die Nazis demolierten und zündeten die Synagogen und Betsäle an. Zahlreiche jüdische Geschäfte und Privatwohnungen wurden teilweise am helllichten Tag verwüstet und geplündert.

Die Zerstörungen mussten die Juden per „Sühneabgabe“ selber zahlen. Insgesamt 1 Milliarde Reichsmark mussten reichsweit für die „Judenvermögensabgabe“ zum Ausgleich der Schäden aufgebracht werden. Die Finanzämter „gewährten“ Ratenzahlungen, die in fünf Raten eingezogen wurden. Wer jetzt noch auswandern konnte, musste auch den Rest seines Vermögens den deutschen Finanzämtern überlassen.

 

Erinnern möchten wir auch an die jüdischen Menschen aus Wuppertal, die während des Pogroms ermordet wurden, sich aus Verzweiflung das Leben nahmen oder an dem Schock der gewalttätigen Übergriffe starben. Zu nennen sind der Arzt Dr. Theo Plaut und seine Frau Elli, die sich am 15. November 1938 das Leben nahmen. Der Kaufmann Alfred Fleischhacker erhängte sich am 8. Dezember 1938, kurz nach seiner Entlassung aus dem KZ Dachau. Die 73 jährige Johanna Siéradzki wurde in der Pogromnacht in ihrer Wohnung in der Ekkehardstraße 15 (damals Mittelstraße) überfallen und erlitt einen Gehirnschlag, an dem sie am 13. November 1938 verstarb.

Niemand ist vergessen!

Nie wieder ist heute!

In tiefer Verbundenheit mit den Opfern des 7. Oktober 2023!

L’Chaim – Es lebe das Leben!

 

Bringt Blumen mit!!

 

 

Hintergrund:

Der Novemberpogrom in Wuppertal

Die Täter brauchten nicht den Schutz der Nacht. Wenn die jüdischen Einrichtungen nicht restlos abbrannten, kamen sie bis zu dreimal an den Tatort wieder. Am 10. November um 4:00 Uhr brannte die Synagoge an der Genügsamkeitsstraße, um 8:00 Uhr wurde die Barmer Synagoge in der Scheurenstraße angezündet. Um 18:00 Uhr kamen die Brandstifter wieder in Genügsamkeitsstraße und legten erneut Feuer. Die Friedhofskapellen am Weinberg und an der Hugostrasse brannten schließlich um 20:00 Uhr.

 

Die kleinen jüdischen Betsäle der orthodoxen und ostjüdischen Gemeinde in der Luisenstraße wurde „nur“ demoliert und geplündert, weil das Gebäude im „arischen“ Besitz war und nicht angezündet werden durfte.

 

Nur wenig im öffentlichen Bewusstsein ist, dass die Elberfelder Synagoge – so eine eindeutige Zeugenaussage -, u.a. von Feuerwehrleuten angezündet wurde. Insgesamt waren in der Wuppertaler „Feuerlöschpolizei“ zahlreiche sog. Alte Kämpfer der SA und der NSDAP tätig. In diesem Geist formulierte auch der Oberstleutnant der Feuerlöschpolizei, Hermann Wessels, in seinem offiziellen Einsatzbericht zum Elberfelder Synagogenbrand hämisch: „Eigentümer: Jüdische Gemeinde. Stand: Parasiten, Wohnung: Parasiten“.

 

Das Bettengeschäft Sigismund Alsberg in der Berliner Straße wurde dreimal angesteckt. Kissenbezüge und Betten wurden geraubt. Die Herzogstraße, die Neumarktstraße (Hermann-Göring-Straße) und die damalige Königstraße (Straße der SA) (heute Friedrich-Ebert Straße) in Elberfeld waren mit Waren und mit zertrümmerten Gegenständen aus jüdischen Geschäften übersät. In der Grünstraße waren ganze Wohnungseinrichtungen aus dem Haus geworfen worden, in der Elberfelder Wortmannstraße wurde ein Auto in Brand gesetzt. Sogar das jüdische Altenheim in Elberfeld wurde nicht verschont. Mindestens 270 jüdische Geschäfte und Wohnungen wurden in Wuppertal angegriffen und verwüstet.

 

 

Bericht der Feuerwehr (Landesarchiv NRW Rheinland)

 

 

Die Gestapo und der Novemberpogrom

 

Die Gestapo-Führung in Berlin, aber auch die lokalen Gestapo-Dienststellen wurden von dem Novemberpogrom vollkommen überrascht. Die Wuppertaler Gestapoaußendienststelle und ihre Nebenstellen in Solingen, Remscheid und Barmen hatten keinerlei Zugriff auf die Ereignisse. Holger Berschel resümierte für den gesamten Regierungsbezirk Düsseldorf: „Die Gestapo war zu keiner Zeit in der Lage, die Ausschreitungen tatsächlich zu kontrollieren. Sowohl der Beginn der Aktion als auch ihr Ende wurden von der Partei angeordnet.“

Am 9. November 1938 wies Gestapo-Leiter Heinrich Müller erst um 23:55 Uhr in einem Fernschreiben alle Stapostellen an, sich auf „Judenaktionen“ einzustellen: „1. Es werden in kürzester Frist in ganz Deutschland Aktionen gegen Juden, insbesondere gegen deren Synagogen, stattfinden. Sie sind nicht zu stören. Jedoch ist Benehmen mit der Ordnungspolizei sicherzustellen, dass Plünderungen und besondere Ausschreitungen unterbunden werden können. 2. Sofern sich in Synagogen wichtiges Archivmaterial befindet, ist dieses durch eine sofortige Maßnahme sicher zu stellen. 3. Es ist vorzubereiten die Festnahme von etwa 20-30.000 Juden im Reiche. Es sind auszuwählen vor allem vermögende Juden. Nähere Anordnungen ergehen noch im Laufe der Nacht.“

 

Am 10. November 1938 um 1:20 Uhr präzisierte Reinhard Heydrich als Chef der Sicherheitspolizei, also der Gestapo und der Kripo, die Anweisungen zum Pogrom in einem Blitz-Fernschreiben: „a) Es dürfen nur solche Maßnahmen getroffen werden, die keine Gefährdung deutschen Lebens oder Eigentums mit sich bringen (z.B. Synagogenbrände nur, wenn keine Brandgefahr für die Umgebung vorhanden ist), b) Geschäfte und Wohnungen von Juden dürfen nur zerstört, nicht geplündert werden. Die Polizei ist angewiesen, die Durchführung dieser Anordnung zu überwachen und Plünderer festzunehmen.“ Darüber hinaus sollten, sobald es die Kräfte zuließen, „in allen Bezirken so viele Juden [wie möglich] insbesondere wohlhabende“ festgenommen werden. Es seien „zunächst nur gesunde männliche Juden nicht zu hohen Alters festzunehmen“ und die unverzügliche Überstellung in Konzentrationslager vorzubereiten.

 

Festnahmeaktion

 

Diese Festnahmeaktion wurde von der Gestapo Düsseldorf als „Vergeltungsaktion für v. Rath gegen Juden“ deklariert. Der zu verhaftende Personenkreis wurde im Gestapo-Jargon als „Aktionsjuden“ oder als „Novemberjuden“ bezeichnet

Die Düsseldorfer Gestapo hatte als erste Reaktion auf die befohlene Festnahme-Aktion die Inanspruchname von Justizgefängnissen genehmigt. In Wuppertal, Solingen, Remscheid und Velbert begannen schon in der Nacht auf den 10. November 1938 die ersten Verhaftungen.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit organisierten die lokalen Gestapostellen mit ihren „Judensachbearbeitern“ die Verhaftungsaktion. Verantwortlich für Wuppertal waren der Leiter der Gestapoaußendienststelle Wilhelm Müller und der Leiter der „Kulturabteilung“ Ernst Hartmann, in Solingen Josef Koke und in Remscheid Johann Jung als Leiter der Gestaponebenstellen.

 

46 jüdische Männer aus Wuppertal und Velbert wurden im Justizgefängnis Wuppertal-Bendahl und eine unbekannte Zahl von jüdischen Personen im Barmer Justizgefängnis an der Sedanstraße eingesperrt. Auch die Polizeigefängnisse in der Bachstraße und in der Von der Heydts Gasse wurden belegt. In Solingen und Remscheid wurden das Polizeigefängnis im Stadthaus und in der Uhlandstraße genutzt.

 

Die genaue Anzahl der Verhafteten ist nicht bekannt. Am 16. November 1938 wurden etwa 125 männliche Juden aus dem Bergischen Land in einem gemeinsamen Transport aus Düsseldorf mit anderen Juden aus dem Regierungsbezirk Düsseldorf ins Konzentrationslager Dachau deportiert.  Die anderen jüdischen Schutzhäftlinge, die meist älter als 55 Jahre oder als nicht „arbeitsfähig“ oder „lagerfähig“ kategorisiert waren, wurden nach wenigen Tagen wieder freigelassen.

 

Deportation nach Dachau

 

Der genaue Ablauf der Deportation nach Dachau ist nicht bekannt. Sicher ist, dass die Häftlinge im Laufe des 17. Novembers 1938 im KZ Dachau ankamen. Überliefert ist eine Anweisung der Wuppertaler Gestapo an das Gefängnis Wuppertal-Bendahl, 32 jüdische Häftlinge am 16. November 1938 um 7:45 Uhr „zwecks Abtransport mittels Autobus bereitzuhalten“.

Ein Deportierter, Erich Löwenstein, der auch in Bendahl einsaß, erinnerte sich, dass er mit 20-30 Juden mit Bussen zum Viehhof am Arrenberg transportiert und via Bahnhof Steinbeck nach Düsseldorf gebracht wurde, von wo der Sammeltransport nach Dachau startete. „Dort waren Hunderte aus der ganzen Region, aus Köln, aus Düsseldorf, aus Aachen, aus Wuppertal.“

 

Aus einer Notiz über einen telefonischen Befehl der Düsseldorfer Gestapo an die Gestapoaußendienststelle Krefeld vom 14. November 1938 wissen wir, dass die Gestapo selbst die Bewachung des Transportes übernommen hat. In dem Befehl hieß es: „Als Begleitpersonal für die Fahrt nach Dachau sind 5 (fünf) Beamte der dortigen Außendienststelle zu entsenden. Bewaffnung und Ausrüstung: Pistole, 20 Schuß Munition, Signalpfeife und Schließkette. Vorsorglich ist für 12 Stunden Verpflegung mitzunehmen, da im Zuge keine Möglichkeit für die Bereitung von Verpflegung besteht. Für die Häftlinge ist keine Marschverpflegung mitzugeben.“ Nach Aussage des Wuppertaler Gestapo-Beamten Eugen Pedrotti wurde der Dachau-Transport auch von dem Wuppertaler „Juden-Sachbearbeiter“ Friedrich Pentinghaus begleitet.

 

Im KZ Dachau wurden die Juden aus unserer Region zwischen einem und drei Monate eingesperrt und mit der ganzen Brutalität des Lagerlebens konfrontiert. Mindestens eine Person, der Solinger Gustav Joseph, überlebte die Haftbedingungen in Dachau nicht. Er starb in der Nacht vom 2. auf den 3. Januar 1939.

 

Die Inhaftierungen in Dachau und anderen Konzentrationslagern wurden in vielen Fällen vom NS-Regime als Druckmittel eingesetzt, um die „Arisierung“ der jüdischen Geschäfte und Firmen und die Auswanderung zu beschleunigen. Eine frühzeitige Haftentlassung wurde von der Gestapo in vielen Fällen an die Bereitschaft gekoppelt, die Geschäfte und Firmen schnell zu arisieren oder zu liquidieren oder eine rasche Auswanderung unter Zurücklassung des Großteils des Besitzes zu betreiben.

 

Die Freilassung der Häftlinge waren daher keine „Großzügigkeit“ der örtlichen Gestapo oder der besonderen „Humanität“ des örtlichen Außendienststellenleiters und einzelner „Gestapo-Sachbearbeiter“ geschuldet, sondern das GESTAPA in Berlin hatte in einem Runderlass vom 16. November 1938 Voraussetzungen für die Entlassungen formuliert.

Berschel fasste Heydrichs die Direktiven wie folgt zusammen: „Häftlinge, die `zur Einleitung oder Fortführung von Arisierungsverhandlungen benötigt werden´ seien sofort zu entlassen. Dabei sei im Interesse der erwünschten Arisierung großzügig zu verfahren.“ Auch seien Juden sofort zu entlassen, „wenn dies ein dringendes Bedürfnis der deutschen Wirtschaft, insb. aber des deutschen Exports“ sei. Zusätzlich ordnete Heydrich die Entlassung von körperbehinderten, kranken und über 60 Jahre alten jüdischen Häftlingen an. Schließlich, so formulierte Berschel, sollte „eine bevorstehende Auswanderung nicht gestört werden.“

 

 

Täter

Nach 1945 wurden übrigens nur wenige Nationalsozialisten für die Teilnahme am Pogrom in Wuppertal als Täter verurteilt. Unter ihnen waren der ehemalige NSDAP-Kreisorganisationsleiter Wilhelm Peters und der Versteigerer und SS-Mann Bruno Koepchen.

Bruno Koepchen stammt übrigens aus der bekannten Versteigerer-Familie Koepchen / Wiedenstritt. Er wurde nach 1945 wegen der Brandstiftung der Elberfelder Synagoge zu zwei Jahren Haft verurteilt. Der überzeugte Nazi, er war seit 1930 Mitglied der NSDAP, rückte am 6.9.1939 zur Ausbildung zur SS-Totenkopf-Standarte nach Dachau ein und leistete seinen SS-Dienst als Wachposten im KZ Dachau und später im KZ Flossenbürg. 1940 ist sein Dienstgrad Rottenführer. Anfang Juni 1941 wechselte er als SS-Sturmmann zur Inspektion der Konzentrationslager nach Oranienburg. Ab den 3. 2.1941 stieg der SS-Mann zum Sachbearbeiter im SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt auf. In der Abteilung D IV/ 4 bearbeitete er im Bereich KZ-Verwaltung. Am 1.5.1942 wurde er zum SS-Unterscharführer befördert. Es ist unklar, wann Bruno Koepchen zurück nach Wuppertal kommt, sicher ist aber, dass das Versteigerungshaus Koepchen ab 1941 von der Gestapo beauftragt wurde, nach jüdischem Besitz in Wuppertal zu fahnden und später jüdischen Besitz auf großen Versteigerungen an die deutschen Volksgenossen weitervertickte. Unmittelbar nach den Deportationen wurde der Hausrat und die Wohnungseinrichtungen von Mitarbeitern vom Finanzamt taxiert und bei öffentlichen Versteigerungen wie im Evangelischen Vereinshaus, in den Wohnungen der Deportierten oder in den Versteigerungslokalen von Koepchen und Wiedenstritt regelrecht verschleudert.

Solingen: Gewalt lässt sich nicht abschieben. Autoritäre Mobilisierung in Parlamenten und auf der Straße stoppen

Hervorgehoben

Am 23. August 2024 wurden in Solingen auf dem städtischen Festival der Vielfalt drei Menschen mit einem Messer getötet und acht weitere Menschen verletzt. Der Tatverdächtige wurde am Folgetag festgenommen und befindet sich in Untersuchungshaft. Die Terrororganisation Daesh (Islamischer Staat) reklamierte den Anschlag für sich. 

Immer wieder Solingen

Die Stadt Solingen steht innerhalb Deutschlands ganz besonders für den Schmerz und die offenen Wunden, die die rassistischen Anschläge und Pogrome der 1980er und 1990er Jahre hinterlassen haben. Auch in diesem Jahr wurden schon mindestens zwei mutmaßlich rassistische Brandanschläge in Solingen verübt: Eine vierköpfige Familie wurde dabei getötet, weitere Menschen teils schwer verletzt – der Schmerz und die Angst, die Anschläge auslösen, sind in der Stadt daher sehr präsent. Der islamistische Mordanschlag ist damit zugleich ein Angriff auf die Familie Genç, denen vor 31 Jahren fünf Familienmitglieder durch einen rassistischen Anschlag entrissen wurden. Es ist auch ein Angriff auf andere Betroffene rassistischer Gewalt, die sich gegen Diskriminierung und Ausgrenzung wehren.

Rassistische Instrumentalisierung

Der Schock und die Trauer über die Tat in Solingen wurden sofort überschattet von rassistischen Reden und politischer Instrumentalisierung. Der Attentäter besitzt die syrische Staatsangehörigkeit und war in Solingen in einer Geflüchteten-Unterkunft untergebracht. Eine 2023 geplante Abschiebung nach Bulgarien, dem Ankunftsstaat seiner Einreise in die EU, wurde nicht durchgeführt. Der Mann erhielt Ende 2023 subsidiären Schutz.

Die massive Hetze gegen geflüchtete Menschen erreicht nun ihren vorläufigen Höhepunkt und findet katastrophalen Ausdruck in neuen Gesetzesvorhaben: Aufnahmestopp für Geflüchtete aus Syrien und Afghanistan, vereinfachte Abschiebungen, willkürliche und unbegrenzte Inhaftierung in Abschiebehaft, Verschärfung von Waffenrecht und erweiterte Befugnisse der Sicherheitsbehörden.

Unter rassistischem Generalverdacht

Ganze Bevölkerungsteile werden unter rassistischen Generalverdacht gestellt und für Taten von einzelnen Personen durch umfassende Entrechtung kollektiv bestraft: Weil im Mai 2024 ein Mann Afghanischer Staatsangehörigkeit in Mannheim mit einem Messer einen Polizisten tötete, wurden am 30. August öffentlichkeitswirksam 28 Afghan*innen mit einem Abschiebeflug nach Afghanistan geschafft. Es ist der erste Abschiebeflug seit 2021 und der Machtübernahme der Taliban. Diese Abschiebung wurde in direkter Folge nach dem Angriff im Mai vorbereitet. Als Begründung für diese Kooperation mit dem autokratischen islamistischen Regime in Kabul gab das Bundesinnenministerium an, die abgeschobenen Menschen seien straffällig gewesen.

Die bislang äußerst umstrittene Forderung nach Anwendung automatisierter Gesichtserkennung in Sozialen Medien ist nun Teil von Faesers „Sicherheitspaket“, darunter der Abgleich von Datenbanken mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI). Auch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) erhält die Befugnis zum biometrischen Abgleich von Internetdaten, insbesondere um Identitäten von Schutzsuchenden festzustellen. Die Ausweitung von Messerverboten verhindert keine Angriffe, sondern führt zu mehr Kontrollen und mehr Racial Profiling. Die angekündigten Leistungskürzungen für Geflüchtete im Dublinverfahren entmenschlichen Schutzsuchende massiv. Viele der Vorschläge dürften verfassungsrechtlichen und menschenrechtlichen Prüfungen nicht standhalten.

Diese Gesetze dienen dazu, Menschen pauschal zu potentiellen Terrorist*innen zu erklären. Dabei unterscheiden sich die Forderungen von SPD, CDU und Grünen nur graduell – und sie eint etwas Wesentliches: Sie tragen nicht das Geringste zu einer Verbesserung oder einer Veränderung bei, die mehr Sicherheit für alle herstellt – denn keine der geforderten Maßnahmen kann Attentate und Terror verhindern.

Das scheint im Grunde auch nicht das Ziel zu sein: So, wie Schlägernazis auf Gewalttaten warten, um zu Pogromen anzustacheln, so warten sämtliche Parteien darauf, Gesetzesverschärfungen durchzusetzen und die Migrationspolitik immer weiter nach rechts zu verschieben. Die Opfer von Solingen werden instrumentalisiert, Betroffene von Gewalt spielen für die politischen Verantwortlichen keine Rolle. Die geforderte weitere Entgrenzung der Sicherheitsbehörden wird vor allem dazu führen, einem expandierenden rassistischen Generalverdacht weiteren Vorschub zu leisten.

Der abstoßende Wettbewerb um die härtesten Forderungen zeigt, dass die politischen Verantwortlichen immer mehr darauf abzielen, mit rechten Forderungen mitzuhalten und damit immer mehr der AfD gleichen, von der sie sich an anderer Stelle abzugrenzen behaupten. Zu Ende gedacht münden die genannten Pläne in dem Wunsch der extremen Rechten nach „Remigration“: Der Entledigung all jener Menschen, denen sie einen „Migrationshintergrund“ zuschreiben.

Rassistische Hetze als Brandbeschleuniger

Bei eben diesen migrantisierten Menschen und insbesondere bei Betroffenen von antimuslimischem Rassismus steigert die Hetze Angst vor einem noch weiter anwachsenden Rassismus. Der aktuelle Diskurs führt für Betroffene zu einer erhöhten und allgegenwärtigen Gefahr durch rassistische Angriffe und körperliche Gewalt. Außerdem sorgt er dafür, dass Geflüchtete Angst haben müssen, ihren Schutzstatus zu verlieren. Eine Gefahr, die potentiell lebensbedrohlich ist. Das Paradoxe daran: Viele suchen in Deutschland Schutz vor genau der islamistischen Gewalt, die jetzt für verschärfte Abschiebegesetze instrumentalisiert wird.

Mit dem vorgeschlagenen Entzug des Schutzstatus von Menschen aus Afghanistan und Syrien wird außerdem nicht nur dem Grundgesetz und internationalen Vereinbarungen eine Absage erteilt: Dieser gefährliche deutsche Diskurs will die Existenz von Gewalt allein als ein Problem darstellen, das uns von außen bedroht. Damit wird negiert, dass massive Gewalt und auch Terror ein integraler Bestandteil der deutschen Gesellschaft war und ist, wie Vergangenheit und Gegenwart uns zeigen.

Gewalt lässt sich nicht abschieben!

Doch Gewalt lässt sich nicht abschieben: Nicht nur Menschen in den europäischen Zentren sind von Gewalt durch Terror betroffen. Wenn Täter*innen aus Deutschland abgeschoben werden, wird bewusst eine Gefährdung von Menschen in den Zielorten von Abschiebungen in Kauf genommen.

Die Forderungen stärken am Ende vor allem rechte und faschistische Parteien wie die AfD, was sich gerade in den Landtagswahlen in Thüringen und Sachsen bestätigt hat. Dabei sind sie die ideologisch Verwandten des Islamismus.

Gegen autoritäre Bewegungen 

Der Islamismus und der Faschismus sind sich grundlegend verwandt: Beide teilen gewaltvolle, autoritäre, patriarchale und queerfeindliche Gesellschafts- und Familienbilder und ein antisemitisches Weltbild. Der Kampf der Rechten gegen den Islamismus zielt auf die Verhinderung von Migration. Die autoritären menschenfeindlichen Ideologien müssen bekämpft werden, aber Repression und Rassismus sind die falsche Antwort. Abschiebungen schützen nicht vor Gewalt, Terror oder Radikalisierung.

Es müssen vielmehr solche Kräfte gestärkt werden, die gegen islamistische Ideologien und rechte Kräfte ankämpfen, wie etwa die YPG und YPJ gegen den Daesh in Syrien oder im Irak. Stattdessen wird die kurdische Bewegung in Deutschland als terroristische Vereinigung kriminalisiert und die Türkei unter dem Autokraten Recep Tayyip Erdoğan unterstützt. Das zeigt dass die Fragen, wie es zu derartiger Radikalisierung und massiver Gewalt kommen kann, nicht adressiert werden. Rassistischer Ausschluss, Perspektiv- und Hoffnungslosigkeit und eine Politik, die statt auf umfassende soziale Teilhabe und Sicherheit für alle Menschen auf eine Klientelpolitik für Wohlhabende setzt, arbeitet autoritären Ideologien zu.

Wie in Großbritannien versuchen auch in Deutschland Nazis, rechte Mobs zu entfachen – stets auf der Lauer nach geeigneten Anlässen. Wir müssen also aufmerksam bleiben – in Solingen und überall – für die nächsten Versuche, Pogrome zu starten. Rechte Gewalt kann – wie wir wissen – immer und überall – spontan ausbrechen, als ganzer Mob oder in Gestalt von Angriffen auf einzelne Personen. Damit müssen wir auch weiterhin –jetzt und immer – rechnen.

Solingen: Zusammen in antifaschistischer Solidarität

Direkt am Tag des Anschlags begannen rechte Kräfte nach Solingen zu mobilisieren, darunter die AfD und ihre Jugendorganisation Junge Alternative. Doch hatten sich am Sonntag, dem 25. August schnell 1.500 Menschen der rechten Mobilisierung entgegengestellt. Tags darauf waren am Montagabend mehrere hundert solidarische Menschen aus Solingen und ganz NRW vor Ort. Ein Angriff auf die von Rechten ins Visier genommen Geflüchtetenunterkunft konnte durch die große antifaschistische Präsenz verhindert werden. Wir waren viele und das macht Mut.

In einer Zeit, in der der Faschismus weltweit weiter auf dem Vormarsch ist, müssen wir handlungsfähig bleiben und solidarische Strukturen ausweiten – gegen rassistische Angriffe braucht es Unterstützung und Schutz für Betroffene von rassistischer Gewalt. Das bedeutet nicht nur, sich Nazis auf den Straßen Solingens und anderswo in den Weg zu stellen. Es bedeutet auch, die normalisierte rassistische Gewalt in Form von Grenztoden, Polizeipraktiken und Abschiebegesetzen zu benennen und für deren Abschaffung zu kämpfen.

Das geht nur gemeinsam: Im Austausch mit emanzipatorischen Linken aus feministischen, antirassistischen, internationalistischen Bewegungen und der Klimagerechtigkeitsbewegung. Es ist an der Zeit, sich weiter gemeinsam in solidarischen Strukturen zu organisieren.

 

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26. August – 40. Jahrestag des rassistischen Brandanschlags in Duisburg

Hervorgehoben

 

Beim Brandanschlag in Duisburg-Wanheimerort in der Nacht vom 26. auf den 27. August 1984 wurde in einem Wohnhaus, in dem überwiegend aus der Türkei Eingewanderte wohnten, Feuer gelegt. Es starben sieben Menschen, weitere 23 wurden verletzt. Die Täterin wurde 1996 als Pyromanin verurteilt. Im Jahr 2018 wurde der Fall von der Initiative Duisburg 1984 wieder publik gemacht, wodurch der rassistische Hintergrund des Verbrechens endlich benannt wurde.

In Erinnerung an:
Ferdane Satır (40 Jahre)
Zeliha Turhan (18 Jahre)
Rasmin Turhan (18 Jahre)
Songül Satı (4 Jahre)
Ümit Satır (5 Jahre)
Çiğdem Satır (7 Jahre)
Tarik Turhan (52 Tage)

Die Überlebenden des rassistischen Brandanschlags in Duisburg 1984 rufen gemeinsam mit Betroffenen rassistischer Gewalt und Initiativen zu der Demonstration und Kundgebung auf, am Montag, 26. August, 17 Uhr, Kranichstr. 21, Duisburg

 

In der Nacht vom 26. auf den 27. August 1984 brannte das Wohnhaus in der Wanheimer Straße 301 in Duisburg-Wanheimerort. In dem Altbau wohnten ausschließlich Arbeitsmigrant:innen, sogenannte Gastarbeiter:innen, aus der Türkei und Jugoslawien mit ihren Familien. Das Feuer war kurz vor Mitternacht im Hausflur des Erdgeschosses ausgebrochen. In Windeseile verbreite es sich im ganzen Haus. Die Bewohner:innen waren vom einzigen Fluchtweg innerhalb weniger Minuten abgeschnitten. 57 Hausbewohner:innen wurden von den Flammen im Schlaf überrascht und versuchten zum Teil auf dramatische Weise, dem Feuer zu entkommen.

Im 2. Obergeschoss des Hauses wohnte Familie Satır.  Die Schwestern Rukiye und Aynur Satır konnten sich – wie durch ein Wunder – schwerverletzt mit einem Sprung aus dem Fenster retten. Für sieben ihrer Angehörigen kam jede Hilfe zu spät: Ferdane Satır (40 Jahre), Zeliha Turhan (18 Jahre), Rasmin Turhan (18 Jahre), Songül Satı (4 Jahre), Ümit Satır (5 Jahre), Çiğdem Satır (7 Jahre), Tarık Turhan (1 Monat).

Nach dem Brand begannen Brandsachverständige und Ermittler in den Trümmern nach der Ursache zu suchen. War es ein Unfall? War es Brandstiftung? Zwei Tage später berichtete die Frankfurter Rundschau, dass laut Staatsanwaltschaft über die Ursache des Feuers noch Unklarheit bestehe, Brandstiftung jedoch „so gut wie sicher“ ausgeschlossen werden könne. In der Woche darauf berichtete der Stern, dass bis vor zwei Monatenan den Fabrikmauern längs der Wanheimer Straße noch Hetzparolen wie ‚Türken Raus‘ zu lesen gewesen seien. Der Spiegel erwähnt in einem Bericht über rechte, rassistische Gewaltf im Oktober 1984 die Hakenkreuze an der Hauseingangstür am Tatort.

Auch aus der Zivilgesellschaft in Duisburg wurden Stimmen laut, die als Motiv beim Brandanschlag auf Rassismus hinwiesen. Am 11. Oktober 1984 fand auch in Duisburg der bundesweit organisierte „Marsch gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit“ statt. Die Demonstrant:innen protestierten gegen die Rückkehrpolitik der Bundesregierung und gegen „Ausländer Raus-Parolen“. Eine Bürger:inneninitiative forderte die die Ermittlungsbehörden und Oberbürgermeister Krings öffentlich auf, das Motiv „Ausländerfeindlichkeit“ zu überprüfen. Sie hätten in jüngster Zeit Bedrohungen von rechten Gruppen dokumentiert, Aufkleber mit „Ausländer-Raus“-Parolen und Hakenkreuz- Schmierereien an der Wand des abgebrannten Hauses gesichtet und es hätte konkrete Drohungen gegen Migrant:innen gegeben. Die dpa hatte am 3. September 1984 berichtet, die Staatsanwaltschaft habe erklärt, dass es keine konkreten Anhaltspunkte auf mögliche Täter gebe. „Ausgeschlossen sei aber, dass der Brand aufgrund von Ausländerfeindlichkeit gelegt worden sei.“

Tatsächlich haben die Ermittlungsbehörden den Täter für längerer Zeit ausschließlich im Umfeld ehemaliger Bewohner des Hauses gesucht, heißt es in einem Bericht des Berliner Rechtsanwalts Lukas Bastisch, den er im Auftrag der Überlebenden Aynur Satır erstellte. „Auch das später in dieser Sache gefällte Urteil lässt eine eingehende Auseinandersetzung mit einer rassistischen Tatmotivation vermissen, obwohl es hierfür Anhaltspunkte gegeben hat. Das Ziel des Brandanschlags – ein Haus mit migrantischen Bewohner*innen in einem migrantischen Stadtteil – wurde als solches weder durch die Ermittlungsbehörden noch durch das Gericht erkannt.“ Ein Bewohner des Wohnhauses saß 1991 sechs Monate in Untersuchungshaft, weil er fälschlicherweise verdächtigt wurde, den Brand gelegt zu haben. Drei Jahre später kündigte Evelin D. aus der Justizvollzugsanstalt in Mülheim in einem handschriftlich Brief an die Polizei ein Geständnis an und gab bei einer Vernehmung tatsächlich zu, 1984 den Brand in der Wanheimer Straße 301 und einen weiteren, ebenfalls nicht aufgeklärten Brandanschlag, im Januar 1993 in einem Geflüchtetenwohnheim in der Duisburger Straße in Duisburg-Hamborn gelegt zu haben. Wie durch ein Wunder starb dabei niemand in dem Geflüchtetenwohnheim. Im Urteil des Landgerichts Duisburg vom Dezember 1996 wurde Rassismus als Motiv nicht näher untersucht und so blieb die Frage unbeantwortet, warum die Täterin in einer Zeit, in der Hetze und Gewalt gegen Migrant:innen Hochkunjunktur hatten, Unterkünfte von Menschen, die von Rassismus, Ausgrenzung und Marginalisierung betroffen sind. Bei der Täterin wurde Pyromanie diagnostiziert, aufgrund eines forensischen Gutachtens verurteilt und in einer forensischen Psychiatrie untergebracht, wo sie später starb.

Sowohl von den Überlebenden und Angehörigen als auch von den Duisburger migrantisierten Communities wurde diese frühzeitige Festlegung der Politik und der Ermittlungsbehörden als entwürdigend empfunden. Gleichzeitig hatte diese Ermittlungsrichtung Konsequenzen: Einige fühlten sich im Nachhinein verängstigt, Rassismus anzuklagen, und somit auch die Entscheidungen von Politik, Polizei und Staatsanwaltschaft in Frage zu stellen.

Erst 2018 wurde der rassistische Hintergrund des Verbrechens durch die Initiative Duisburg 1984 publik. Die Überlebenden des Brandes in Duisburg-Wanheimer Ort kämpfen 40 Jahre nach der Tat gemeinsam mit anderen Betroffenen rassistischer und antisemitischer Gewalt für Erinnerung und fordern Aufklärung, Gerechtigkeit, Konsequenzen und Entschädigung.

https://ein-anderes-duisburg.de/episode/Von-Rassismus-wurde-nicht-gesprochen!
https://www.inidu84.de/

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Kundgebung heute um 17 Uhr in Solingen – Kein Platz für Islamismus und Faschismus!

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Kundgebung
Pogrome verhindern bevor sie entstehen!

Sonntag, 25. August 2024
17 Uhr – Hauptstraße / Ecke Breidbacher Tor
Solingen

Die Junge Alternative und weitere Parteien und Organisationen aus dem gesamten Spektrum der extremen Rechten mobilisieren bundesweit für heute 18 Uhr an die Nähe des Tatorts und einer Unterkunft für Geflüchtete.

Wir wollen um die Opfer des islamistischen Anschlags trauern. Gleichzeitig stellen wir uns den Nazis in den Weg. Wir überlassen der faschistischen Hetze nicht den Raum!

Wir bleiben dynamisch!

Kein Platz für Islamismus und Faschismus!

Infos: Wuppertal stellt sich quer – instagram.com/wuppertal_ssq

„Eine wirkliche Kommunistin“ – Straßenfest am 24.8. für Auguste Kirschey zu ihrem 100.Todestag

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„Eine wirkliche Kommunistin“
Straßenfest für Auguste Kirschey zu ihrem 100.Todestag
24. August 2024 ab 17:00 Uhr
Grünewalder Berg 39 Wuppertal-Elberfeld

Getränke – Musik – Stadtteilgeschichten – Ausstellungsstart „Wuppertaler Orte der Demokratiegeschichte“

Kurzvortrag: Antonia Lammertz/ Dieter Nelles
Musik von: Lillith  //  Uli Klan  // Tom Capri and the brush making music players

Wir würdigen mit unserem kleinen Straßenfest die erste Stadtverordnete der KPD in Elberfeld 1924. Die Antimilitaristin trat 1917 in die USPD ein, agierte als überregionale Rednerin des Internationalen Bundes der Opfer des Krieges und der Arbeit und war eine ausgewiesene Kämpferin für soziale Gerechtigkeit, z.B. 1920 bei der Unterstützung der Kämpfer*innen der Roten-Ruhr- Armee genauso wie bei der Durchsetzung von niedrigen Lebensmittelpreisen…

Albert Norden, der Elberfelder Rabbinersohn, spätere Widerstandskämpfer und Nazijäger der SED, dem Auguste Kirschey von einem Arbeitskollegen als „wirkliche Kommunistin“ vorgestellt wurde, erinnerte sich: „Wenn ich an jene Zeit denke, dann will mir die Familie Kirschey nicht aus dem Sinn.“ Er beschrieb Auguste Kirschey – Mutter von 6 Kindern und Witwe, , als sachkundige und aufrüttelnde Referentin. Auguste Kirschey sähe „bedeutend älter aus, so sehr hatte der persönliche Schmerz, die Sorge um ihre 6 Kinder und die permanente Unterernährung ihr Gesicht gezeichnet (…) Sie hat den eigenen Kindern und breiten proletarischen Kreisen in Elberfeld ein Beispiel gegeben, wie eine Arbeiterin gegen die einflußreiche Reaktion für die Sache des friedlichen Fortschritts der Menschheit lebt und kämpft.“

Auguste Kirschey starb 1924 im Alter von nur 40 Jahren.

Ihre sechs Kinder waren alle im Widerstand gegen das NS-Regime aktiv. Anna (geb.1904), die nicht politisch organisiert war, schmuggelte Solidaritätsgelder von Amsterdam für den Wuppertaler Widerstand. Willi (geb. 1906) emigrierte 1933 nach Frankreich, wurde dort im Juli 1944 verhaftet und erlebte die Befreiung im KZ Buchenwald. Walter (geb. 1908) wurde 1934 zu sechs Zuchthaus verurteilt und desertierte 1944 als Angehöriger des Strafbataillons 999 in Jugoslawien. Alfred (geb. 1911) emigrierte 1935 wegen illegaler Aktivitäten nach Amsterdam, wo er den Krieg überlebte. Helmut (geb. 1913) emigrierte im November 1933 nach einer halbjährigen KZ-Haft in die Niederlande, kämpfte im Spanischen Bürgerkrieg und lebte dann in Göteborg. Hans (geb. 1915) war an illegalen Aktivitäten beteiligt.

Veranstalter*innen:
Verein zur Erforschung der sozialen Bewegungen im Wuppertal e. V. Kopp auf! Wuppertaler Initiative für nachhaltige Entwicklung e.V. , Das Autonome feministische Referat der Uni Wuppertal

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